PREMIERE: "Amadeus" in Stadt Haag als Sommertheater mit hohen Qaulitätsansprüchen
Der übermütige Lausbub war ein Genie
Es ist eines der erfolgreichsten Theaterstücke der letzten 20 Jahre, das von Peter Shaffer geschriebene "Amadeus". Eine unterhaltsame und kluge Mischung von Fakten und Fantasie über das Genie Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und seinen Gegenspieler Antonio Salieri. Das Sommmertheater in Stadt Haag/NÖ. hat sich - in der nun vierten Saison und im ersten Jahr der Intendanz von Adi Hirschal - dieses Stückes angenommen. Und, es sei gleich vorweg genommen, damit qualitätsvolles und unterhaltsames Sommertheater-Erleben beschert.
Regisseur Dominik Wilgenbus zeichnet genaue Charaktere, hat sowohl ein Händchen für effektvolle Szenerie als auch feines Gespür für Momente, die einem den Gegensatz zwischen Mittelmaß und Genie so berührend vor Augen führen: Wenn Salieri bei der Musik Mozarts erkennt, dass dieser "aus Alltäglichem Legende schafft, und ich aus Legenden Alltägliches." Oder wenn der sterbende Mozart ihm das Requiem aufs Notenblatt diktiert.
Diese Stück-Vorlage ist natürlich ein Glücksfall. Ein solcher ist aber auch das Schauspielteam: Allen voran der wunderbare Salieri von Toni Slama, von Eifersucht zerfressen und vom Gedanken besessen, den Widersacher aus der Welt zu schaffen. Martin Niedermair als Mozart, äußerlich auf Tom Hulce aus dem Milos Forman-Film "Amadeus" getrimmt: ein übermütiger und schweinigelnder Lausbub, aber ein auch ein ans Herzen gehender, hilfloser Leidensmann. An seiner Seite die ihn bedingungslos liebende Constanze: ein keckes Mädel Nicole Beutler.
Silvana Sansoni, Linde Prelog, Manfred Dungl und Klaus Haberl als großartig agierende Viererschar, sowohl als gute und böse Geister, stelzender Kaisergrufti oder ehrwürdige Adelige. Die detailreich von Gerlinde Höglhammer gefertigten Kostüme eine wahre Augenweide. Das Bühnenbild - eigentlich keines, weil nur ein dunkles drehbares Ungetüm - entpuppt sich aber als sehr brauchbar für schnelle Ortswechsel und als Projektionswand für stimmungsvolles Lichtdesign.
Die überdachte Tribüne am Stadtplatz schützt zwar einen Teil des Publikums vor Wetter-Unbill, nicht aber die Bühne. So auch am Premierenabend: Blitz, Donner, Regen - und eine Unterbrechung von 50 Minuten, in denen Intendant Hirschal das sowieso gut gelaunte Publikum bei Laune gehalten hat.
Termine: jeweils Do, Fr., Sa bis 16.8.; 07434 / 44600, www.theatersommer.at
-- Silvia Nagl --