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11.07.03, Die Presse, Seite 35
Foto: Luis Paterno. Die Hauptdarsteller Toni Slama, Martin Niedermayr und Nicole Beutler (v.l.n.r).

KRITIK: THEATER

Salieris Hatz auf Mozart

Peter Shaffers "Amadeus" beim Haager Theatersommer: exzellent.

Stadt Haag ist ringsum mit der Aufschrift "Amadeus" dekoriert. Die klobig hingestellte Zuschauertribüne ragt am kleinen Hauptplatz in die Höhe, die. schönste Mozart-Musik ertönt aus den Boxen. Peter Shaffers "Amadeus", 1979, ein Klassiker des modernen Theaters, ist zu sehen. In einer vorzüglichen Aufführung. Komödiantik hat Regisseur Dominik Wilgenbus als Motto für Shaffers groteskes Intrigenspiel ausgegeben. Mit sprudelnder Fantasie wird in einer lebendigen Szenenfolge die Hetzjagd des Antonio Salieri gegen seinen jüngeren, begnadeteren Rivalen Mozart geschildert.

Toni Slama als dem Wahnsinn verfallener Salieri: mit grimmigem Mienenspiel und gezierter Gestik Gott verfluchend, den Konkurrenten in den Tod treibend. Martin Niedermair als Mozart: ein zerbrechlich, infantil wirkendes Genie, dabei selbstbewusst, dreist und zotig, wie ein verspieltes Äffchen. Nicole Beutler wirkt als Constanze wie eine quirlig flatternde, schrill aufkreischende Turteltaube. Ein Mimen-Quartett in rasch wechselnden Rollen und buntscheckigen Kostümen setzt viele amüsante Akzente. Die schmale, schwarz gehaltene Bühne ist schlicht, erlaubt aber Überraschungseffekte. Die Spielfreude des Ensembles in dieser präzisen, in Details ausgefeilten, auf Witz und Tempo bedachten Inszenierung steckt an: höchst anspruchsvolles Unterhaltungstheater.

-- mr --

11.07.03, OÖ Nachrichten, Seite 7

PREMIERE: "Amadeus" in Stadt Haag als Sommertheater mit hohen Qaulitätsansprüchen

Der übermütige Lausbub war ein Genie

Es ist eines der erfolgreichsten Theaterstücke der letzten 20 Jahre, das von Peter Shaffer geschriebene "Amadeus". Eine unterhaltsame und kluge Mischung von Fakten und Fantasie über das Genie Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und seinen Gegenspieler Antonio Salieri. Das Sommmertheater in Stadt Haag/NÖ. hat sich - in der nun vierten Saison und im ersten Jahr der Intendanz von Adi Hirschal - dieses Stückes angenommen. Und, es sei gleich vorweg genommen, damit qualitätsvolles und unterhaltsames Sommertheater-Erleben beschert.

Regisseur Dominik Wilgenbus zeichnet genaue Charaktere, hat sowohl ein Händchen für effektvolle Szenerie als auch feines Gespür für Momente, die einem den Gegensatz zwischen Mittelmaß und Genie so berührend vor Augen führen: Wenn Salieri bei der Musik Mozarts erkennt, dass dieser "aus Alltäglichem Legende schafft, und ich aus Legenden Alltägliches." Oder wenn der sterbende Mozart ihm das Requiem aufs Notenblatt diktiert.

Diese Stück-Vorlage ist natürlich ein Glücksfall. Ein solcher ist aber auch das Schauspielteam: Allen voran der wunderbare Salieri von Toni Slama, von Eifersucht zerfressen und vom Gedanken besessen, den Widersacher aus der Welt zu schaffen. Martin Niedermair als Mozart, äußerlich auf Tom Hulce aus dem Milos Forman-Film "Amadeus" getrimmt: ein übermütiger und schweinigelnder Lausbub, aber ein auch ein ans Herzen gehender, hilfloser Leidensmann. An seiner Seite die ihn bedingungslos liebende Constanze: ein keckes Mädel Nicole Beutler.

Silvana Sansoni, Linde Prelog, Manfred Dungl und Klaus Haberl als großartig agierende Viererschar, sowohl als gute und böse Geister, stelzender Kaisergrufti oder ehrwürdige Adelige. Die detailreich von Gerlinde Höglhammer gefertigten Kostüme eine wahre Augenweide. Das Bühnenbild - eigentlich keines, weil nur ein dunkles drehbares Ungetüm - entpuppt sich aber als sehr brauchbar für schnelle Ortswechsel und als Projektionswand für stimmungsvolles Lichtdesign.

Die überdachte Tribüne am Stadtplatz schützt zwar einen Teil des Publikums vor Wetter-Unbill, nicht aber die Bühne. So auch am Premierenabend: Blitz, Donner, Regen - und eine Unterbrechung von 50 Minuten, in denen Intendant Hirschal das sowieso gut gelaunte Publikum bei Laune gehalten hat.

Termine: jeweils Do, Fr., Sa bis 16.8.; 07434 / 44600, www.theatersommer.at

-- Silvia Nagl --

11.07.03, OÖ Nachrichten, Seite 27

Amadeus mit Gewitter

STADT HAAG.

Bis auf den letzten Platz ausverkauft war Mittwochabend die Premiere von "Amadeus" in Haag.

Trotz der dunklen Wolken, entschloss man sich im Freien zu spielen - einmal musste das Stück wegen eines heftigen Gewitters unterbrochen werden. Auch Prominenz aus Wien war in Haag anwesend, darunter Susi Nicoletti und Brigitte Neumeister. "Amadeus geht unter die Haut und ist das Beste, das Haag je gemacht hat", ist Produktionsleiter Kurt Reitzinger zufrieden.

Karten und Infos zu "Amadeus" unter www.theatersommer.at

11.07.03, Krone OÖ, Seite 36

Fulminanter "Amadeus" beim Theatersommer in Stadt Haag

Dieser Mozart ist zum Abbusseln

VON VERA RATHENBÖCK

"Amadeus": Musik war für ihn einfach, schwierig nur das Leben. Die tragische, von Peter Shaffer in ein wunderbares Filmdrama gegossene Geschichte über Salieri und Mozart, kommt beim Haager Theatersommer als großartiges Schauspielereignis auf die Bühne. Martin Niedermair ist ein Mozart zum Abbusseln!

Man kennt sie, die Geschichte des Hofkomponisten Antonio Salieri, der sich selbst bezichtigte, das Musikgenie Wolfgang Amadeus Mozart umgebracht zu haben. Und doch bleibt man fasziniert: Nun lernt man in Stadt Haag wieder einen "neuen" Mozart kennen, einen "neuen" Salieri.

Regisseur Dominik Wilgenbus, der vom Musiktheater kommt, kokettiert mit Musical-Effekten. Sein Schauspiel - Mozarts Musik kommt vom Band - wird rasch zur temperamentvollen, musikalischen Szenenkette mit theatralischen übergängen vom Feinsten. Alles ereignet sich vor einer schwarz gestaffelten Bühnenwand (Udo Vollmer). Die Reduktion im Bild verstärkt die Wirkung der fantasievollen, aber unverkitschten Kostüme (Gerlinde Höglhammer) und der Lichtkompositionen (Johann Egger).

Toni Slama ist ein bedürftiger Salieri, der sich seinem Neid wie einem Schicksal ergibt. Er wird aber auch zum väterlichen Schmeichler, der den naiven Amadeus eiskalt aufs Glatteis führt. An Salieris Seite tummeln sich vier "Venticelli": Silvana Sansoni, Linde Prelog, Manfred Dungl und Klaus Haberl, die stets in andere Rollen schlüpfen.

Martin Niedermair tritt mit zerzauster Perücke ins Rampenlicht. Er ist ganz Genie, ganz Kind, ganz ungestümer junger Mann. Nicole Beutler ist das lebhafte gevifte "Stanzerl" an seiner Seite. Doch Niedermair zeigt viele Töne, sein Mozart macht eine tragische Entwicklung bis zum Wahnsinnigen durch, der einfach banal wegstirbt: Es darf geheult werden!

"Amadeus": ein Pflichttermin in diesem Sommer!

ooe.kultur(at)kronenzeitung.at